Presseinformation zur Veranstaltung „Lesung auf dem Sofa“ mit Petra Reski und Dietrich Schulze-Marmeling am 11. März 2009 in der Konzertaula Kamen

Fußball und die Mafia

Beide waren Schüler des Städtischen Gymnasiums Kamen, beide haben schriftstellerische Karrieren eingeschlagen: Petra Reski und Dietrich Schulze-Marmeling nehmen im Rahmen des Schuljubiläums zusammen mit Georg Gahlen und Horst Prasun auf dem Sofa Platz, um verschiedenste Einblicke in ihre Lebenswelten zu geben.

Dietrich Schulze-Marmeling begann als Politologe, der sich u.a. mit dem Konflikt in Nordirland beschäftigte. In den 90er Jahren entdeckte er für sich den Fußball und gilt mittlerweile mit zahlreichen Veröffentlichungen als Europaweit gefragter Fußball-Soziologe, der sich für alles interessiert, was im Hintergrund der verschiedensten Vereine passiert: Seine Fan- und Vereinsrecherchen u.a. zu Borussia Dortmund, dem FC Bayern oder der deutschen Nationalmannschaft (u.a. „Fußball für Millionen. Die Geschichte der deutschen Nationalmannschaft", "Das Borussia-Dortmund-Lexikon") machten ihn einem breiten Publikum bekannt. In 2008 erschien von ihm „Hakenkreuz und rundes Leder. Fußball im Nationalsozialismus“.

Petra Reski begann ihre schriftstellerische Tätigkeit nach einem Studium der Romanistik und Sozialwissenschaften und dem Besuch der Henri-Nannen-Schule in Hamburg beim Stern, bevor sie sich als Autorin ganz auf die Aufarbeitung ihrer Biographie konzentrierte. In mehreren Büchern (u.a. „In einem Land so weit“) setzte sie sich kritisch mit ihrem eigenen polnischen Hintergrund auseinander, hinzu kommen zahlreiche Artikel in GEO und der Zeit sowie einige themenbezogene Preise. Seit 1991 lebt sie als freie Autorin in Venedig. Mit der Mafia fand sie hier ein neues Thema: Ihr 2008 erschienenes Buch „Mafia. Von Paten, Pizzerien und falschen Priestern “ schlug ein wie eine Bombe, längere Zeit stand Petra Reski unter Polizeischutz.

In Interviews wird es an dem Abend natürlich um Erinnerungen an die eigene Schulzeit gehen sowie um den Einstieg in den Beruf als Schriftsteller und Autor. Das Finden der eigenen Themen wird sicherlich dabei einen herausragenden Punkt darstellen. Der verbindende Rahmen des Abends wird durch verschiedene Lesungen der Autoren Reski und Schulze-Marmeling aus ihren Werken gebildet.

Der Hellweger Anzeiger berichtet in seiner Ausgabe vom 13.03.2009:

Plaudereien mit den Ex-Schülern, aus denen etwas geworden ist: Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 1 SO. Jubiläum des Gymnasiums hatte Schulleiter Georg Gahlen (r.) die beiden Schriftsteller Petra Reski und Dietrich Schulze-Marmeling, die 1978 ihr Abitur in Kamen gemacht hatten, auf das Sofa in der Konzertaula gebeten. Fotos (2): Stefan Milk

Der bürgerliche Rebell und die Tochter der Arbeiterklasse

Petra Reski und Dietrich Schulze-Marmeling erinnern sich an ihre Schulzeit

Von Johannes Brüne
KAMEN. Da sehe man doch mal, dass aus den Ex-Schülern des Gymnasiums durchaus etwas werden könne, meinte Schulleiter Georg Gahlen, als er sich mit seinen Jubiläumsgästen Petra Reski und Dietrich Schulze-Marmeling zur „Lesung auf dem Sofa" niedergelassen hatte.

Beide Ex-Gymnasiasten erfreuen sich einer gewissen Prominenz, weil sie vom Schreiben leben; beide sind in Kamen aufgewachsen, und beide habe ihre Reifeprüfung am Gymnasium 1978 abgelegt. Ansonsten erlebten die Zuhörer in der mäßig besetzten Konzertaula zwei recht unterschiedliche Persönlichkeiten.

Und das war wohl auch schon so, als Reski und Schulze-Marmeling noch die Gymnasiums-Bänke drückten. Zumal beide doch recht unterschiedliche Startvoraussetzungen hatten., Reski entstammt, wie sie selbst sagte, der Arbeiterklasse. Ihre Eltern waren als Vertriebene nach Kamen gekommen, der Vater unter Tage verunglückt, als die Tochter drei Jahre alt war. Da bedeutete es schon etwas ganz Besonderes, dass die kleine Petra aus der Stormstraße das Gymnasium besuchen durfte: „Bildung war meine einzige Chance", erzählte Reski, die heute in Venedig lebt und als freie Journalistin gut im Geschäft ist. „Ich habe weitgehend positive Erinnerungen an meine Schulzeit."

Das ist bei Schulze-Marmeling„der sich vor allem durch seine Fußballbücher mit politisch-historischem Anspruch, aber auch als Fachmann für den Nordirland-Konflikt einen Namen gemacht hat, wohl anders. Er genoss eine gewisse Narrenfreiheit, weil er aus einer angesehenen bürgerlichen Kamener Lehrer-Familie stammt: „Es war klar, dass ein Schulze-Marmeling aufs Gymnasium geht." Und das nutzte der „rebellische junge Mann mit den langen Haaren", wie Vize-Schulchef Horst Prasun den Schüler Schulze-Marmeling im Gedächtnis hat, auch weidlich aus. Und hat damit bei so manchem seiner Lehrer bleibende und nicht nur positive Eindrücke hinterlassen. „Ich stand nur fünf Minuten im Foyer", erzählte Schulze-Marmeling von seiner Rückkehr an die alte Schule, „Da sind mir schon zwei Missetaten von mir erzählt worden, an die ich mich gar nicht mehr erinnern kann."

Manches sieht der vierfache Familienvater nun natürlich anders. Vieles an seiner Protest-Attitüde sei schlicht pubertär gewesen. Gleichwohl will er Teile seiner politischen Entwicklung, die ihn im Kamen der 70er Jahre bis hin zu einer Hausbesetzung führte, nicht missen. Das Gymnasium, meinte er in der Rückschau, sei wohl doch nicht die „repressive Anstalt" gewesen sei, für die er und seine Gesinnungsgenossen sie damals gehalten hätten: „Die Schule war furchtbar tolerant." „Da hast Du recht", antwortete Prasun. „Wenn ich so viel Mist wie Dietrich gebaut hätte, wäre ich vom Gymnasium geflogen", hielt Reski dem entgegen. Wobei sie wohl auch keine Musterschülerin war. Mit einer Freundin schaffte sie es immerhin, dank der. Cafes Humberg und der Karstadt-Cafeteria den Gymnasiums-Rekord in Fehlstunden aufzustellen.

Eines eint Reski und Schulze-Marmeling dann doch: Die Abneigung gegen den ehemaligen, in Ex-Gymnasiastenkreisen berüchtigten Mathematikleher „Herrn S.". Wobei Schulze-Marmeling dem autoritären Pauker immerhin seine einzige 2 in Mathematik verdankt. Aber auch das lag an seinem Widerspruchsgeist. Eines habe er sich damals vorgenommen, berichtete der Autor: „Der S. bricht mich nicht."