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Nationaler Alympiadesieg des Städtischen Gymnasiums Kamen - ein Bericht von Marvin Römer

Nullstellenberechnung, Kurvendiskussion, lineare Gleichungssysteme – werden diese Themen im Mathematikunterricht behandelt, folgt von Schülerseite oft dieselbe Frage: Wozu braucht man das eigentlich? In der eigenen Schullaufbahn lernt man zumeist, wie die Mathematik funktioniert und welche Ideen sie hervorbringt, doch oft fehle die Relevanz für den Alltag eines Nicht-Mathematikers; dies scheint beim Pragmatiker schnell zur Ablehnung gegenüber dem Unterrichtsfach zu führen.

Um jedoch zu zeigen, dass die Mathematik nicht nur durch ihr Abstraktionsvermögen begeistert, nehmen die Schulen Nordrhein-Westfalens an der alljährlichen Alympiade teil, welche aus den Niederlanden stammt und dort weit verbreitet ist. In der ersten Runde dieses Mathematikwettbewerbs, ausgerichtet vom Freudenthal-Institut, erarbeiteten die Schüler im November 2020 individuelle Konzepte, um ein Skischanzenturnier möglichst fair und unterhaltsam zu gestalten. Die Aufgabe ermöglichte den Teams von drei bis vier Schülern, ihre Kreativität frei zu entfalten, da es von Windgeschwindigkeit bis Absprungzahl pro Wettkampftag alles zu berücksichtigen galt. Nach dieser schulinternen Runde wurden die besten zwei Konzepte der jeweiligen Schulen ausgewählt und in das landesweite Rennen geschickt. Die acht besten Teams des Landes traten dann im nationalen Finale gegeneinander an. Dieses Jahr schaffte es unser Team des Kamener Gymnasiums um Jonah Franzen, Marvin Römer und Viktoria Witanski tatsächlich als vorerst Zweitplatzierter in die zweite Wettbewerbsrunde. In dieser wurde über zwei Tage hinweg das Thema Wahlmanipulation durch Wahlkreisverschiebung („Gerrymandering“) bearbeitet, indem mathematische Modelle betrachtet und grundlegende demokratische Prinzipien kritisch geprüft wurden. Die Teams werteten Methoden zur Detektion von undemokratischer Wahlkreismanipulation aus, wogen ab, wie effektiv die einzelnen Kriterien sind, und erarbeiteten eigene Bewertungsmöglichkeiten, um der Grenzverschiebung zur Wahlmanipulation auf die Schliche zu kommen – neben Mathematik selbst wurde also auch Demokratieverständnis relevant. So verdeutlichte diese Veranstaltung nochmals, wie fragil Demokratie wirklich ist, sodass diese in keiner Weise als Selbstverständlichkeit angesehen werden darf. Jüngste Ereignisse in den USA verdeutlichten, dass es ein Privileg ist, in einem demokratischen Staat leben zu können, sodass man seine eigene Meinung kund zu tun vermag und Gesellschaft sowie Miteinander mitgestalten kann. Am Ende dieser digitalen Veranstaltung stand eine finale Siegerehrung, bei welcher das Team aus Kamen den ersten Platz erreichen konnte. Jedoch findet die letzte Runde als internationales Finale in den Niederlanden aufgrund der aktuellen Infektionslage dieses Jahr nicht statt.

Als Teilnehmer dieses unfassbar bereichernden Wettbewerbs habe ich nicht nur die Faszination der Mathematik aufs Neue erleben können, vielmehr merkte ich, wie sich diese im Alltag versteckt und was für ein mächtiges Werkzeug sie zur Modellierung und Auswertung sein kann. Es war faszinierend zu erleben, wie die Alympiade immer wieder aufs Neue den Bogen zwischen höchster politischer Relevanz und bereichernden mathematischen Konzepten schlägt. Zuletzt liegt es an uns, die Mathematik im Alltag zu ergründen und sich durch diese begeistern zu lassen; denn erst, wer die Mathematik im Schulunterricht verinnerlicht hat, kann sie dann ganz nach eigenem Belieben ausprobieren und sich über ihr grundlegendes Vorkommen in Natur, Technik und sogar Politik erfreuen.

Marvin Römer, Q1