Erfahrungsbericht zum Frankreich-Austausch von zwei Teilnehmerinnen

Die Sonne ging langsam auf, das Gepäck war im Bus verstaut und es wurde sich aufgeregt angeschnallt - es ging los. Das Ziel von uns - knapp fünfzig Acht- bis Zehntklässlern - war klar: Montreuil-Juigné. Wochenlang hatten wir uns auf den knapp einwöchigen Austausch mit dem Collège Jean Zay gefreut und auf das Abfahrtsdatum hingefiebert, dem 28.9.2016. Jeder von uns bekam im Voraus einen Austauschpartner, mit dem er sich eifrig über Soziale Medien austauschte, jedoch wurden aber natürlich auch französische Austauschpartner vom vergangenen Austausch von den Neunt- bis Zehntklässlern beibehalten. Das erste Treffen sorgte bei den meisten für große Aufregung und somit wurde dies mehr oder weniger zum Hauptgesprächsthema auf der vierzehnstündigen Busfahrt. Trotz der Gespräche war es auf der Fahrt überraschend leise, was auch den uns begleitenden Lehrkräften, Frau Breitkopf, Frau Siebert und Frau Bökemeier, zu verdanken war. Als wir dann endlich gegen acht Uhr abends ankamen, waren wir zwar erschöpft, jedoch war die Aufregung für die meisten so groß wie noch gar nicht in den letzten Wochen. Wir konnten unsere Verlegenheit, aber auch unsere Freude erkennen, als wir den weltbekannten französischen Wangenkuss selber an unseren Austauschpartnern und deren Eltern ausüben durften. Für die Jüngeren war es ein erstes Treffen und für die Älteren, die schon mitgemacht hatten, war es ein freudiges und emotionales Wiedersehen. Anschließend fuhren wir Heim mit den Familien und es konnten erste tiefere, lustige und spannende Gespräche alleine mit unseren Gastfamilien stattfinden. Am nächsten Morgen, Donnerstag dem 29.09.2016, tauschten wir deutsche Schüler uns über unseren ersten Abend aufgeregt aus und durften anschließend von der französischen Schulleiterin des Collège Jean Zays persönlich empfangen werden. Zudem bekamen wir auch noch einen kurzen, aber für die meisten schon genügenden Einblick in das französische Schulsystem und in den französischen Unterricht. Zu bemerken ist, dass die Lehrer sehr nett waren und bei der Unterrichtsgestaltung ein hoher Wert auf Technologie gelegt wird, da bspw. Aufgaben aus Büchern mit einem Beamer an die Wand projiziert und besprochen werden. Spannend war aber auch die neugierige und offene Haltung der Schüler gegenüber uns deutschen Schülern. Neben dem Empfang in der Schule wurden wir auch noch offiziell im Rathaus Montreuil-Juignés empfangen. Der erste Ausflug unserer Woche bildete am Nachmittag eine Spazierfahrt auf der Mayenne. Schließlich endete dieser Tag schon und der für die meisten aufregendste Tag vor dem Wochenende stand bevor, der Freitag, an welchem wir mit unseren französischen Austauschpartnern gemeinsam in den Kinopark "Futuroscope" fahren durften. Nach viel Spaß mit unseren Autauschpartnern und dem Kennenlernen eines ganz anderen Freizeitparks, welcher wirklich sehr abwechslungreich war und für die meisten Deutschen eine ganz andere Art Freizeitpark war, durch bspw. Simulationen von Achterbahnfahrten in Kinos, fand am Abend der deutsch-französische Abend statt, an dem wir deutsche Schüler, unsere Austauschpartner mit Familienangehörigen und Freunden anwesend waren. Gemeinsam wurde der Austausch durch mitgebrachte Speisen der Familien zelebriert. Am Wochenende verbrachten wir schließlich mehr Zeit mit unseren Austauschpartnern, konnten jedoch durch, von den Franzosen organisierte Aktionen, unsere Freunde sehen. Viele Exkursionen fanden bei den meisten statt, zu näheren Städten oder sogar bis zum Meer. Bei anderen konnte eine kulinarische Exkursion festgestellt werden. Neben den typischen französischen Speisen wurde auch viel Internationales gekocht. Schon nach kurzer Zeit wurde bemerkt, dass die Franzosen ganz anders aßen; etwas mehr, abwechslungsreicher und vielfältiger. Dies war uns bei der Vorbereitung auf den Austausch ganz anders geschildert worden, somit wurde das Essen als kulturelles Merkmal oder auch als Überraschung gesehen. Nachdem bei den Mahlzeiten oft der Satz fiel: "Pardon, c'était délicieux, mais j'ai assez mangé.", um klarzumachen, dass man satt ist, lernte man auch schließlich die Gastfamilie noch näher kennen. Lustige Details, wie eine Vorliebe für schwedische Musik, bleiben einem da schon im Kopf hängen und man freut sich im Nachhinein, am Austausch teilgenommen zu haben. Die Sprache war höchstens ein minimales Problem für die meisten, da die Franzosen sehr zuvorkommend waren und es nicht um den perfekten Satzbau auf Französisch ging. Viel wichtiger war der kulturelle Austausch, wie uns auch schon in Deutschland mitgeteilt wurde. Die Vorfreude auf Montag war sehr groß, da endlich lustige Ereignisse des Wochenendes mit den Freunden geteilt werden konnten und ein Stadtbesuch nach Angers, der nächsten großen Stadt mit ca. hundertfünfzig Einwohnern, stattfand. Neben einer Besichtigung der Altstadt und des Schlosses Angers hatten wir Schüler etwas Zeit, die Innenstadt alleine zu erkunden. Die meisten von uns deutschen Austauschschülern sah man vor französischen Bäckereien, um mehr der deliziösen Köstlichkeiten Frankreichs zu entdecken. In den darauffolgenden Tagen, Dienstag und Mittwoch, fanden die letzten beiden Ausflüge statt. Am Dienstag durften wir bei einer Besichtigung der Abtei "Fontevraud" viel über die französische Geschichte lernen. Und um noch einmal die letzten Einkäufe für Freunde und Familien zu erledigen, fuhren wir Austauschschüler noch einmal nach Angers. Auch, um eine Stadtrallye durch Angers machen zu können. Die Rallye war beispielsweise auch ein sehr guter Programmpunkt, da die Kultur, aber auch der Spaß nicht zu kurz kamen. Im Allgemeinen war das Programm sehr gut gestaltet: Kultur, Geschichte, Sport, Überwindung und Spaß. Mit diesen Punkten könnte man das Programm auszeichnen. Es war eine sehr spannende Woche, die unterhaltsam war. Besonders durch die Rallye kamen wir in einen Austausch mit Franzosen, um Fragen beantwortet zu bekommen. Rückblickend wurde von uns Deutschen doch sehr viel Französisch gesprochen, auch, wenn der kulturelle Austausch im Vordergrund stand. Das Selbstbewusstsein wurde dabei natürlich auch gestärkt, indem man fremde Menschen ansprach und dies dann auch noch auf einer fremdem Sprache, die man bisher nur aus dem Unterricht kannte. Etwas komplizierter wurde es bei den meisten dann aber doch, als die Franzosen ans Wort kamen. Wir mussten leider feststellen, dass das angenehme Gesprächstempo unserer Hörverstehensaufgaben im Unterricht nicht der Realität entsprach. Im Laufe dieser Woche fiel häufig das Wort "comprendre" (verstehen) − leider oft gefolgt von einer Verneinung. Nach dem Verabschieden durch einen letzten Wangenkuss, bei dessen Umsetzung wir nun nach diesen acht Tagen viel professioneller waren, durften wir dann teilweise mit einer ganzen Einkaufstüte als Lunchpaket nach Hause fahren, wo wir mit offenen Armen von unseren Eltern begrüßt wurden. Ein paar Glückstränen beim Wiedersehen der Familien fielen bei dem ein oder anderen natürlich auch. Eine wirklich tolle Woche bereiteten uns unsere Austauschpartner, die uns stolz überall vorstellten und uns versuchten, gut zu integrieren. Auch, wenn es mal zu kleineren Problemen kam, über die die meisten heute lächeln, konnten wir uns immer an Frau Breitkopf, Frau Siebert und Frau Bökemeier wenden, die ein offenes Ohr hatten und interessiert unseren Worten folgten. Zudem gaben sie uns immer gute Ratschläge und man konnte auch viel Spaß mit ihnen haben. Denn auch, wenn es nur eine Woche war, waren viele zum ersten Mal ohne Eltern im Ausland und fühlten sich dennoch sehr sicher und behütet durch unsere herzlichen Lehrkräfte. Der Austausch gab uns die Möglichkeit, über den Tellerrand hinausschauen zu können und lehrte uns in manchen Situationen vielleicht anders zu handeln. Vielen Dank an dieser Stelle für die Möglichkeit, überhaupt ein anderes Land durch die Schule bereisen zu dürfen. Doch noch ist der Austausch nicht vorbei und es wird auf die Ankunft der Franzosen in Deutschland im April 2017 gewartet. "Das ist das Angenehme auf Reisen, dass auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt." - Johann Wolfgang von Goethe

Annika Schulte und Fotini Erifopoulos